Behauptungen im Faktencheck

Was stimmt wirklich?

Die Initianten der Ernährungsinitiative arbeiten mit zahlreichen Behauptungen. Wir ordnen die wichtigsten Aussagen ein und zeigen, welche Folgen die Initiative tatsächlich hätte.

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Agrarsubventionen

Aussage der Initianten 75 Prozent der Agrarsubventionen fördern die tierische Produktion.
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Diese Aussage stimmt nicht. Rund 60 Prozent der landwirtschaftlichen Fördermassnahmen – Direktzahlungen, Produktionsmassnahmen und Strukturverbesserungen – lassen sich weder der tierischen noch der pflanzlichen Produktion zuordnen.

Die Direktzahlungen machen den Hauptanteil aus. Sie sind an das bewirtschaftete Land gebunden und schaffen keinen direkten Anreiz zur Produktion tierischer Lebensmittel. Eine direkte Förderung im Zusammenhang mit der Tierhaltung gibt es insbesondere über Tierwohlprogramme, Sömmerungsbeiträge für das Alpgebiet und die Käsezulage. Letztere gleicht die abgeschafften Importzölle für Käse aus.

2

Selbstversorgungsgrad

Aussage der Initianten Ein Selbstversorgungsgrad von 100 Prozent wäre möglich.
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Diese Behauptung hält der Realität nicht stand. Bereits die von der Initiative verlangten 70 Prozent sind utopisch. Einen Selbstversorgungsgrad von rund 70 Prozent erreichte die Schweiz letztmals während des Zweiten Weltkriegs. Damals wurde im Rahmen der Anbauschlacht praktisch jeder geeignete Quadratmeter genutzt, Lebensmittel wurden rationiert und in der Schweiz lebten weniger als halb so viele Menschen wie heute.

Rund zwei Drittel unserer Landwirtschaftsflächen sind Grünland. Daraus entstehen nur mithilfe von Wiederkäuern wie Kühen, Schafen oder Ziegen Lebensmittel wie Milch und Fleisch. Diese Produkte sind deshalb wichtige Bestandteile der Versorgungssicherheit.

Ein wesentlicher Hebel wäre die Reduktion von Foodwaste. Die Initiative sieht dafür jedoch keine konkreten Massnahmen vor. Gleichzeitig dienen heute rund 20 Prozent der Landwirtschaftsflächen der Förderung der Biodiversität. Für eine massive Steigerung des Selbstversorgungsgrads müssten auch solche Flächen wieder stärker zur Produktion genutzt werden – mit entsprechenden Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt.

Aussage der Initianten Unsere Lebensmittelversorgung ist zu mehr als 50 Prozent vom Ausland abhängig.
✓ Faktencheck

Diese Aussage ist korrekt – braucht aber eine Einordnung. Die Schweiz verfügt nur über beschränkte landwirtschaftliche Flächen, während die Bevölkerung wächst. Gleichzeitig wünschen sich Konsumentinnen und Konsumenten exotische Früchte, Fisch, Meeresfrüchte sowie ganzjährig ein breites Obst- und Gemüseangebot.

Auch beim Fleisch werden besonders häufig Edelstücke verlangt, von denen jedes Tier nur eine begrenzte Menge liefert. Deshalb werden Filets, Steaks und ähnliche Stücke zusätzlich importiert. Neue Einschränkungen im Pflanzenbau und zunehmende Wetterextreme führen zudem zu stärkeren Ertragsschwankungen.

Wer die Importabhängigkeit deutlich senken will, müsste die inländische Produktion stark ausweiten und zugleich den Konsum stärker auf saisonale und einheimische Lebensmittel ausrichten. Milch und Fleisch müssten dabei wichtige Pfeiler der Versorgung bleiben.

Aussage der Initianten Auf 60 Prozent der Ackerflächen wachsen Futtermittel statt pflanzlicher Lebensmittel für Menschen.
✓ Faktencheck

Die Zahl ist korrekt, die daraus gezogene Schlussfolgerung jedoch falsch. Eine nachhaltige Landwirtschaft verbindet Pflanzenbau und Tierhaltung und nutzt möglichst geschlossene Nährstoffkreisläufe. Es wäre daher nicht sinnvoll, im Mittelland ausschliesslich Pflanzenbau zu betreiben und die gesamte Tierhaltung ins Berggebiet zu verlagern.

Kunstwiesen sind ein wichtiger Teil der Fruchtfolge. Sie helfen, Krankheiten und Schädlinge einzudämmen und die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten. Eine ausschliesslich grasbasierte Milch- und Fleischproduktion würde zudem mehr Tiere benötigen, um dieselbe Produktionsmenge zu erreichen.

Die Nachfrage nach Pouletfleisch und Eiern wächst seit Jahren. Sollen nicht sämtliche Futtermittel importiert werden, muss zumindest ein Teil davon im Inland angebaut werden. Hühner und Schweine sind keine Grasfresser; ihr Futter benötigt deshalb auch Ackerflächen.

3

Betroffenheit der Landwirtschaft

Aussage der Initianten Bauernbetriebe profitieren, weil die Initiative ihnen Unterstützung verspricht.
✓ Faktencheck

Dieses Versprechen ist illusorisch. Weil die Schweiz ein Grasland ist, bildet die Tierhaltung für viele Bauernfamilien eine zentrale Einkommensquelle. Schwächt die Initiative die Tierhaltung, führt das entsprechend zu Einkommensverlusten.

Dass der Bund gleichzeitig genügend zusätzliche Mittel zur Abfederung bereitstellt, ist kaum realistisch. Bereits heute steht das Agrarbudget unter Spardruck. Gleichzeitig muss der Bund unter anderem die 13. AHV-Rente, die Armee und steigende Sozialausgaben finanzieren.

4

Umwelt

Aussage der Initianten Die Nutztierhaltung belastet die Umwelt.
✓ Faktencheck

Die Aussage greift zu kurz. Landwirtschaft und Nutztierhaltung beeinflussen Natur und Umwelt – wie alle Wirtschaftsbereiche und menschlichen Aktivitäten. Werden tierische Produkte jedoch statt im Inland vermehrt im Ausland produziert, verschiebt sich die Umweltbelastung lediglich.

Obwohl die Schweiz nur rund die Hälfte ihrer Lebensmittel selbst produziert, fällt bereits heute mehr als zwei Drittel des konsumbedingten ökologischen Fussabdrucks im Ausland an. Das höhere Schweizer Tierwohlniveau ist in dieser Betrachtung noch nicht berücksichtigt.

Aussage der Initianten Es ist besser, wenn Tiere dort leben, wo ihr Futter wächst, und wir tierische Lebensmittel importieren.
✓ Faktencheck

Diese Aussage ist nicht korrekt. Mehr Lebensmittelimporte verschlechtern den ökologischen Fussabdruck der Schweiz, weil ein grösserer Teil der Umweltbelastung im Ausland anfällt.

Hinzu kommt, dass die Tierhaltung in vielen anderen Ländern weniger streng geregelt ist. Mehr Fleischimporte können deshalb nicht nur die Umwelt, sondern auch das Tierwohl belasten.

Aussage der Initianten Mit der Initiative gibt es weniger Foodwaste.
✓ Faktencheck

Diese Behauptung ist falsch. Die Initiative enthält keine konkreten Massnahmen zur Verringerung von Foodwaste. Ein grosser Teil der vermeidbaren Lebensmittelverluste entsteht zudem in Privathaushalten.

Aussage der Initianten Mit der Initiative wird die Schweizer Landwirtschaft nachhaltiger.
✓ Faktencheck

Diese Behauptung ist falsch. Ein Selbstversorgungsgrad von 70 Prozent würde einen sehr hohen Produktionsdruck auf praktisch allen geeigneten Flächen erzeugen.

Auch heutige Biodiversitätsförderflächen müssten voraussichtlich wieder vermehrt der Lebensmittelproduktion dienen. Das wäre kein Fortschritt für die Nachhaltigkeit, sondern ein Rückschritt für die ökologische Vielfalt.

5

Konsum & Markt

Aussage der Initianten Die Schweiz isst nur so viel Fleisch, weil der Konsum mit Steuergeldern beworben wird.
✓ Faktencheck

Diese Aussage ist falsch. Der Bund unterstützt über die Absatzförderung Marketingmassnahmen verschiedener Branchen. Davon profitiert auch die Fleischwirtschaft.

Die Werbung fordert jedoch nicht einfach zu einem höheren Fleischkonsum auf. Ihre zentrale Botschaft lautet vielmehr: Wer Fleisch isst, soll möglichst Schweizer Fleisch wählen – dem Tierwohl und der Umwelt zuliebe. Die Annahme, ohne diese Förderung würde sich die gesamte Bevölkerung vor allem von Linsen, Bohnen oder Kichererbsen ernähren, ist unrealistisch.

Aussage der Initianten Mit der Annahme der Initiative ändert sich das Konsumverhalten.
✓ Faktencheck

Diese Annahme ist eine zentrale Schwäche der Initiative. Sie geht davon aus, dass die Bevölkerung ihre Ernährung grundlegend ändert, sobald die Landwirtschaft andere Produkte bereitstellt.

Tatsächlich steht im Detailhandel bereits heute ein sehr breites Angebot an pflanzlichen Lebensmitteln zur Verfügung: pflanzliche Drinks, Fleischersatz, Linsen, Kichererbsen und vieles mehr. Die Schweizer Landwirtschaft produziert grundsätzlich, was nachgefragt und konsumiert wird – nicht umgekehrt.

Aussage der Initianten Die Initiative beinhaltet keinen Vegan-Zwang.
✓ Faktencheck

Diese Aussage ist falsch. Die Umsetzung wäre nur mit sehr weitreichenden staatlichen Eingriffen möglich – nicht nur in die Landwirtschaft, sondern auch in das Konsumverhalten.

Der Zugang zu tierischen Lebensmitteln wie Poulet, Eiern und Schweinefleisch müsste stark eingeschränkt werden. Auch Milch und Fleisch von Wiederkäuern wären nur noch in begrenztem Umfang verfügbar.

Ein Selbstversorgungsgrad von 70 Prozent würde eine stark veränderte Ernährung verlangen, bei der Kartoffeln, Getreideprodukte oder Ribelmais einen wesentlich grösseren Teil der Mahlzeiten ausmachen.

Aussage der Initianten Die Schweiz produziert zu viel Milch und Schweinefleisch.
✓ Faktencheck

Kurzfristig kann es Überschüsse geben; grundsätzlich ist die Aussage aber falsch. Bei Milch und Schweinefleisch verfügt die Schweiz – anders als bei vielen anderen Lebensmitteln – über einen hohen Selbstversorgungsgrad.

Steigt die Produktion vorübergehend, etwa aufgrund einer sehr guten Futterernte oder attraktiver Preise, fällt der Marktpreis rasch, weil die Nachfrage weitgehend unverändert bleibt. Dadurch reguliert sich die Produktion wieder nach unten.

Die Bestände an Milchkühen und Schweinen nehmen seit Jahren ab. Langfristig passt sich die Produktion dem Konsum an – nicht umgekehrt.

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Allianz gegen die Ernährungsinitiative
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Laurstrasse 10
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Telefon: 056 462 51 11

E-Mail: info@ernaehrungsinitiative-nein.ch

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